Foto: NewYorker

„Sie gehen sich jetzt an die Gurgel, und ich mache mir mehr Sorgen um 2022 als je zuvor“. Mit 2022 meint der republikanische Senator Lindsey Graham die Kongresswahlen im November kommenden Jahres, und die beiden, die sich öffentlich bekämpfen, stehen für die Flügel der republikanischen Partei. Denn mit diesem Satz, unmittelbar nachdem Senator Mitch McConnell Donald Trump im Impeachment frei gesprochen habe, kommt der Bruch: „Keine Frage, Präsident Trump ist praktisch und moralisch verantwortlich für die Ereignisse am 6. Januar“.
Senator Mitch McConnell, repräsentiert  die eine Seite. Der starke Mann der Partei im Senat hat Trump während seiner Präsidentschaft die Erfolge im Kongress durchgesetzt, Mehrheiten besorgt. Das ist für ihn jetzt Vergangenheit, Zeit aufzuhören, die Wunden zu lecken und ohne Trump weiter zu ziehen, verlorene Sitze zurück zu gewinnen.
Daraus wird nichts, schlägt Donald Trump zurück. In einem selbst für seine Verhältnisse scharfen Statement greift der Ex Präsident seinen früheren Kampfgefährten an. „Mitch ist ein missmutiger, düsterer Politiktyp, der niemals lächelt. Und wenn die republikanischen Senatoren weiter zu ihm stehen, werden sie nicht wieder gewinnen. Er wird niemals tun, was für unser Land richtig ist“. Trump baut darauf, dass in Umfragen eine große Mehrheit der Republikaner weiterhin will, dass er auch in Zukunft eine starke Rolle in der Partei spielt. Er werde sich einmischen, kündigt Trump denn auch an und zwar an der empfindlichsten Stelle für die Partei, insbesondere für die amtierenden Abgeordneten und Senatoren. Die müssen nämlich schon in gut einem Jahr in ihren Wahlkreisen wieder aufgestellt werden. Stellen sie sich gegen Trump, so ihre berechtigte Sorge, müssen sie mit dem Zorn seiner Anhänger rechnen. „Warum mögen die Menschen in der republikanischen Partei Trump so sehr? Weil er ein verdammt guter Präsident war“! analysiert Lindsey Graham.
Trumps erklärtes Ziel bleibt es, die Partei noch mehr zu einer Trump Partei zu machen. Sein Werkzeug: ihm loyale Kandidaten, die ihm gegenüber kritische verdrängen sollen. Und dafür hat er eine mit mehreren hundert Millionen Dollar gefüllte Kriegskasse.
Für Lindsay Graham, der sich zum aktivsten Trump Vertreter im Senat macht und vielleicht darauf hofft, Mitch McConnell als Fraktionschef zu beerben, ist der Konflikt vor allem eine taktische Frage: „Trump ist ja nicht einfach, aber er ist die dominanteste Figur in der republikanischen Partei. Wir haben ohne Donald Trump nicht mal die Chance eines Schneeballs in der Hölle, die Mehrheit zurück zu gewinnen“. Für andere geht es um Ideen, darum, wofür ihre Partei als konservative Kraft in den USA in Zukunft steht. Ist sie eine Partei der konservativen Werte, eine die für ein traditionelles Amerikabild steht, für Eigenverantwortung, freien Markt und wenig Staat? Oder wird sie geprägt von Personenkult, Verschwörungstheorien und amerikanischer Isolation. Dieser Streit, der im Augenblick durch die Personen Mitch McConnell und Donald Trump repräsentiert wird, ist schon jetzt ein tief eingeschlagener Keil, der die Partei zerreißen könnte. Und selbst wenn sich McConnell durchsetzen sollte, wird der Trump Flügel mehr an der Partei zerren, als es die extrem konservative Tea Party Bewegung vor 10 Jahren jemals konnte.
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