“Wir wollen genügend Impfstoff bereitstellen, damit am 1. März alle Kinder wieder zur Schule gehen können”. Diesen Zusammenhang stellt Ohios Gouverneur Mike Devine her. Nicht die Kinder, die Lehrer will er so schnell wie möglich impfen lassen. Damit gehört er allerdings zu einer Minderheit in den amerikanischen Bundesstaaten. Wie hoch Lehrer oben auf der Prioritätenliste stehen, ist allerdings zum nationalen Konfliktfall eskaliert. „Man hat uns angedroht, den Job zu verlieren, aber wir werden nicht in das Gebäude gehen, bevor wir uns sicher fühlen“, zeigt sich Kristin Roberts, Lehrerin in Chicago in einem Fernsehinterview entschlossen.

Die Bürgermeisterin Lori Lightfoot dagegen sieht das ganz anders. Über Wochen habe sie mit den Lehrergewerkschaften verhandelt, jetzt sei Schluss. Diese Woche würden die Schulen geöffnet und alle Lehrer ohne Sondergenehmigung müssten zum Dienst erscheinen. Sollte jemand nicht kommen, müsse sie Maßnahmen ergreifen. Konkret droht sie fehlenden Lehrern mit Kündigung. Ihre Schulsenatorin Janice Jackson verweist auf die vielen Kinder, die in der Bildung zurück fallen, auf überforderte Eltern und auf Kinder, die Verhaltensstörungen entwickeln. Für Wochen habe man in den Schulen im Herbst erfolgreich Präsenzunterricht gehabt, jetzt sei die Zeit gekommen, das die Kinder wieder im Klassenraum sitzen. Ihre Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Schulen keine Hotspots seien.

Die Lehrergewerkschaften aber rufen an vielen Orten zum Streik auf, sie wollen, dass Lehrer erst geimpft werden, bevor sie wieder mit den Schülern zusammen kommen.

Es fehlt aber für alle an Impfstoff, die Biden Regierung will mehr Geld für die Verteilung vom Kongress. Dass es mit den Schulen nicht schneller gehe, habe aber nichts mit fehlendem Geld zu tun, meint Bill Cassidy, Senator aus Louisiana. Die Gewerkschaften seien schuld, wollten  politisch Druck machen und die Krise nutzen, um so viel wie möglich für die Lehrer herauszuholen. Unfug, kontert Gewerkschafterin Merri Najimi. Die Lehrer wollten nur das Gefühl haben, dass der Staat sich um sie kümmert. Und das heißt, beim Impfen nach vorn holen.

18 Bundesstaaten haben tatsächlich Lehrer auf der Prioritätenliste nach oben gehoben, zu Lasten anderer Gruppen wie Polizisten, ältere Menschen oder Risikogruppen. So wollen sie schneller wieder an regulären Unterricht kommen. Die meisten aber lehnen das ab, wollen spätestens Ende des Monats die Schulen öffnen und lassen es auf einen Machtkampf mit den Lehrergewerkschaften ankommen.
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