Ein Bombenangriff nach der anderen, Flugzeuge und Cruise Missiles, und jede live im Fernsehen übertragen. Erst von CNN, dann schlossen sich die anderen Networks an. So ging das schon über einen Monat: Unter der Führung der amerikanischen Luftwaffe flog die Koalition zur Befreiung Kuweits Tag und Nacht Bombenangriffe auf irakische Städte und Militäreinrichtungen. Über 100.000 Starts, 85.000 Tonnen an Bomben – das schwerste Bombardement in der Geschichte. Beginn der Operation Desert Storm. „Vor fünf Monaten hat Saddam Hussein Kuwait brutal angegriffen. Ab heute sind wir in diesem Kampf“. Hatte der amerikanische Präsident George H.W. Bush in einer Fernsehansprache im Januar gesagt. Und auch beteuert: „keine Bodentruppen“. Am 24. Februar 1991 dann die Umkehr, die Invasion mit Bodentruppen, ein Feldzug, der genau 100 Stunden dauerte, bis zum 28. Februar. „Ich war nicht nur überrascht, dass er den Krieg da beendete, sondern auch, dass wir keinen Plan hatten, was als nächstes passieren sollte“, sagt der Politologe Anthony Cordesman vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington, der unter anderem das amerikanische Verteidigungsministerium beraten hat im Interview jetzt.
Von Saudi Arabien aus waren die Koalitionstruppen nach Kuwait und in den Irak einmarschiert, verwickelten das irakische Militär vor allem in Panzerkämpfe, zerstörten dabei über 3000 irakische Panzer und 2000 Panzerfahrzeuge. Zwei Tage später begann die Flucht der irakischen Truppen Richtung Bagdad. Sie stecken Hunderte Ölquellen in Brand und fliehen dann über die sogenannte Straße des Todes, die von Amerikanern, Briten und Franzosen bombardiert wurde. Viele Soldaten sterben, Waffen werden zerstört. Und doch, so Anthony Cordesman, sei der Irak alles andere als geschlagen gewesen. Er selbst ist wenige Tage nach dem Ende des Krieges diese Straße abgefahren. „Das war ein ziemliches Versagen der Aufklärung, weil sie einfach das Ausmaß der Zerstörung überschätzt hatte. Deshalb hatte man ja den Krieg beendet“.
Es waren da nur noch 240 Kilometer bis Bagdad. Warum gehen wir nicht hin und bringen den Job zu Ende, wurde Präsident George Herbert Walker Bush immer wieder kritisiert. Bush aber machte wieder in einer Fernsehansprache klar: Der Krieg ist zu Ende, Kuwait ist befreit, das Kriegsziel erreicht.
Eigentlich wurde da klar, sagt Cordesman, dass es keinen wirklichen Plan gab. „Man schaut immer darauf, wie der Kampf ausgeht, wie man den Feind besiegt. Man macht sich keine Gedanken über die praktischen Fragen, den Frieden zu gestalten“. Und so sei es auch 1991 gewesen.
Die genau umgekehrte Entscheidung traf schließlich 2003 Bushs Sohn, Präsident George W. Bush, der nach seinem Golfkrieg in Bagdad einmarschieren ließ. Der Krieg ist heute, nach 17 Jahren, noch immer nicht wirklich beendet. Es gab keinen Plan für den Frieden.
Für eines bleibt dieser Golfkrieg auf jeden Fall in Erinnerung: Es war der erste, der praktisch live übertragen wurde, zunächst vom Nachrichtensender CNN. „Viele sagten, das sei verrückt. Aber, da passiert Geschichte, da wollen wir dabei sein, deshalb sind wir Journalisten“, sagt CNNs damalige Producerin vor Ort, Ingrid Formanek.
Die eigentliche Veränderung aber ist: Die Kontrolle des Narratives, der Kampf um die Geschichte, darum, die Hoheit über die Interpretation des Geschehens hat sich mit dem Golfkrieg noch einmal verschärft. Im Irakkrieg 2003 wurden Journalisten dann sogar Teil der Truppe. „Embedded“ nannte man das.
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