„7 Minuten Terror“ – so nennen die NASA Ingenieure die Landung ihrer Marssonde. Sieben Minuten nämlich dauert es vom Abbremsmanöver in der Hitze der Marsatmosphäre bis zum Boden. 7 Minuten für die Sonde, 14 für sie selbst. „Wenn wir sehen, dass es los geht, ist die Sonde schon sieben Minuten auf dem Boden – tot oder lebendig“, dämpfen die NASA Ingenieure immer wieder die Erwartungen und machen darauf aufmerksam, wie gefährlich und unsicher gerade diese letzte Phase ist.
Um 21 Uhr 55 deutscher Zeit soll der Mars Rover Perseverence aufsetzen. Hinter ihm liegen dann gut sechseinhalb Monate und 471 Millionen Kilometer in einer Kapsel durchs All. Vor ihm jetzt noch: Ein extrem kompliziertes Landemanöver: erst das Hitzeschild der Raumkapsel nach unten drehen, riesige Fallschirme ausfahren, das Landefahrzeug auslösen, mit Düsen abbremsen und dann den über eine Tonne schweren Rover an Seilen absetzen, das Landefahrzeug in sichere Entfernung bringen. „Wir können dann nicht mehr helfen, das muss das Raumschiff alles allein machen“, so Flugingenieur Allan Chen, und meint damit, dass bei der Programmierung kein Fehler gemacht werden durfte. Jetzt wäre es zu spät.
Geht alles gut, beginnen nach und nach die Experimente, sagt Thomas Zurbuchen, Wissenschaftsdirektor der NASA: „Das ist der erste Rover, den die NASA zum Mars schickt, um Zeichen früheren Lebens zu finden“. Schaut man sich den Landeplatz am Jezero Krater von oben an, sieht er aus, wie das Delta eines riesigen Flusses. Und das muss diese Region auch mal gewesen sein, als der Mars noch ein Planet voller Wasser war. „Wir suchen nach Antworten, warum diese Welt voller Ozeane jetzt trocken ist“, so Zurbuchen.
„Aber deshalb glauben wir auch, dass wir hier die beste Chance haben, Spuren von früheren Lebewesen, Bakterien vielleicht, zu finden“, sagt Lori Glaze, die diesen Teil der Mission leitet. „Wir suchen nach Steinen, die früher unter Wasser lagen und vielleicht die chemischen Bausteine für Leben konserviert haben“. „Perseverance“ kann dafür selbst Analysen an Bord machen, soll aber auch tief in den Boden bohren, 30 Proben an unterschiedlichen Stellen nehmen und in kleine Röhren verpacken. Die werden dann an einer oder mehreren Stellen abgelegt, bis sie, so der Plan, 2026 von einer neuen Mission zur Erde zurückgeholt werden. Daran ist dann auch die Europäische Weltraumagentur beteiligt.
​​​​​​​Mindestens ein Marsjahr, das sind knapp zwei Jahre auf der Erde, dauert die Mission. Vieles ist neu, unter anderem ist ein Hubschrauber mit dem Namen „Ingenutity“ an Bord. Die Marsatmosphäre ist so dünn, dass nicht klar ist, ob er überhaupt fliegt, aber wenn es funktioniert, gäbe es viele neue Möglichkeiten von Luftaufnahmen bis hin zu Erkundungsflügen. Geplant sind mehrere Flüge von 90 Sekunden Dauer und einigen Metern. Auch neu: Wir werden den Mars hören können, denn es sind Mikrophone an Bord. Klingt Wind dort genauso wie auf der Erde? Vor allem, gibt es ganz andere Geräusche auf dem roten Planeten? Darauf soll es Antworten geben.
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